Die Spur des Geldes

Ein Thema, was die Leute in diversen Foren, Websites und Ratgebern ständig auf den Plan rufen ist Geldmagie. Diese qualitativ gleichgeschaltete und nur quantitativ vermessene Ressource ist seit Jahrtausenden immer wieder Thema verschiedener Zeremonien, Anrufungen und Opfergaben. Ob nun ein Silberhaar in einen Zopfgurt geflochten, ein Merkur-Gebet geflüstert oder das Lottoergebnis gependelt wird, immer wieder wird versucht, sich auf nichtweltlichem Wege weltlichen Reichtum zu verschaffen.

Das Verständnis für Geld als solches war noch nie so diffus wie heute – Zahlen auf einem Monitor oder Kontoauszug, Symbole für Währungen in dem Börsenteil der Zeitung, das Verkommen von Wert aller möglichen Waren durch immer mehr und immer billigere Massenproduktion – machen es dem modernen Menschen schwer einen mehr als abstrakten Zugang zum Thema Finanzen zu bekommen. Entwertete Arbeit, Zeit-ist-Geld-Mentalität, Zinseszinsen-für-Kindeskinder, Preis-pro-Kilo und letztlich alles im Leben auf Raten. Wie das sterben auch. Und eben weil die Menschen einen so absurden Bezug zum Geld selbst haben, wird die Illusion mehr vom Gleichen zu haben und damit etwas anderes als das bisherige sein zu können, zum Motor unser aller Suche nach dem großen finanziellen Durchbruch. Denn ein Idiot, der zu Geld kommt, ist immernoch zunächst mal nur ein Idiot, wenn auch ein reicher Idiot.

Doch längst sind es nicht die Mammonstempel und die Nadelstreifenhohepriester, die unseren persönlichen Zugang zum Geld regeln. Längst haben wir uns von “über Geld spricht man nicht, Geld hat man” oder “Geld korrumpiert”, “Geld bedeutet Freiheit” oder “Geld regiert die Welt” ein Paradigmenflickenteppich zusammengenäht, der uns immer wieder die gleichen nicht funktionierenden Lösungen für immer die gleichen Probleme serviert. Doch während führende Ratgeber zur Dekonditionierung raten, Bescheidenheitsmönche das Konsumentsagen predigen und Positive-Thinker einem raten, Geld als Energie oder gar Lebewesen zu betrachten, bleibe ich mal pragmatisch und stelle einen einfachen und sympatischen kleinen Wohlstandszauber vor, mit dem Ihr einfach mal ein wenig experimentieren könnt.

Daß es sich um einen Wohlstandszauber handelt und nicht etwa um reine “Kontoauffüllungsmagie”, möchte ich hier betonen. Das ist in soweit wichtig um bestimmte Risiken und Nebenwirkungen ad acta zu legen (zB. das angefahren werden samt Querschnittlähmung mit mehreren zigtausend €uronen Schmerzensgeld, einen nahen und geschätzten Verwandten zu verlieren, dafür aber etwas von ihm zu erben, etc.). Hier soll es um die Verbesserung des Lebensstandards gehen und es soll einem auch nicht aus heiterem Himmel zufliegen (kann z.B. auch ein neuer Job sein, der einem durchaus einiges an Arbeit abverlangt) – es ist auf langfristige Besserung der Gesamtsituation ausgelegt. Barrieren, die auf Ressourcenmangel aufbauen, sollen gelockert und abgetragen, die eigene Einstellung zum Wohlstand selbst verbessert und in Folge dessen ein stetiger und für die eigenen Bedürfnisse erfüllender finanzieller (oder äquivalenter) Rückfluss an Mitteln generiert werden. So viel zur Geisteshaltung, die es idealerweise vor diesem Zauber zu verinnerlichen gilt.

Aber zur Sache: Der Zauber selbst basiert auf Wohlstandssymbolik, die teils ernst gemeint, teils ins Lächerliche gezogen wird. Bannung findet auf dem Klo durch Betätigung des Spülvorgangs statt, immer und immer wieder. Die benötigten Bestandteile sind eine Rolle Währungsklopapier (erhältlich ist sowas z.B. hier, wahlweise in verschiedenen Banknoten), einige Duftkerzen, ein Borstenpinsel, ein (edler/cooler/schöner) Kugelschreiber, eine Reichtumstinktur (Rezept variabel, meins folgt gleich) und Musik, die in Euch das Gefühl weckt, gut betucht (oder andere Varianten von “finanziell dauerhaft unbekümmert”) zu sein (in meinem Fall, bot sich “Rich & Famous” von Gamma Ray an).

Zur Reichtumstinktur – man braucht nicht wirklich viel davon, aber sie sollte die materielle Symbolik von Wohlstand haben, also goss ich zusammen:

- Einige Tropfen des teuersten Whiskys
- Einige Sprühportionen des edelsten Parfüms
- Einige Krümel des besten Tabaks
- Milch & Honig (ein “Klassiker”)
- Salz (auch ein altes Symbol für Reichtum)
- Pfefferkörner (Ob allein oder stellvertretend für Gewürze)
- Eine Münze beliebiger Größe aber der geläufigen Währung
- 2 Tropfen Drachenblut-Öl zur Verstärkung der Gesamtwirkung

Das ganze unter Musik gut umrühren und etwas ziehen lassen, währenddessen angenehme Duftkerzen aufstellen und ein wenig mitsingen, sich in Trance wiegen, seine Zielsetzung in eine Sigille oder Runen implementieren oder was auch immer einem an dieser Stelle für ein Prozess angenehm ist und funktionierend erscheint.

Die Runen (in meinem Fall) oder Sigille oder Symbole nach dem erreichten magischen Zustand beim mitsingen/-fliegen der Musik auf die Seitenwände der Klorolle unterbringen, ein edler Stift und eine leichte Schriftführung tut ihr übriges. Wenn man Schwierigkeiten hat mit dem Beschreiben des Papierrands, kann man die Rolle auch etwas zusammendrücken, damit die Fläche ebener wird.

Zu guterletzt nimmt man sich den Borstenpinsel und trägt, ebenfalls am Rand, ohne Sorge ob die Tinte verwischt, leicht und unbekümmert weiter singend oder aber sein dafür angefertigtes Mantra wiederholend die Reichtumstinktur auf. Man muss es nicht damit übertreiben, keiner will Ausschlag vom Parfüm auf seinem Hintern oder Salzkristalle mit Whisky auf seinem Rüssel, also immer schön sachte! Letzten Endes lässt man das ganze trocknen und es ist einsatzbereit.

Benutzt es wie gewöhnliches Klopapier, wenns Euch hilft zu vergessen was ihr damit an Vorbereitung gemacht habt, verabschiedet es jedes Mal wenn Ihr spült mit sowas wie “Wenn Du wiederkommst, kleiner Geldschein, bring ganz viele Freunde mit.” – Ich weise hiermit ausdrücklich darauf hin, daß ich für etwaige Wasserschäden und Rohrverstopfung nicht hafte! ;)

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Welcome to the World of Darkness

Viele moderne Bücher sind voll davon, daß man am besten damit fährt was man am besten kennt, einem gewissermaßen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Was ist also naheliegender als seine Arbeit, seine Hobbies, seine Passionen und Zeitvertreibe nach möglichen Ansätzen für Paradigmen abzugrasen? Ich habe mir in all den Jahren wo ich in der WoD war, also Vampire – The Masquerade und Vampire: Dark Ages, sowie Demon: The Fallen gezockt/geleitet habe immer wieder überlegt, daß man einige der Stufen, Gaben, Disziplinen und Fähigkeiten doch wunderbar verwursten könnte, um sie magisch einzusetzen.

Das schöne daran ist, daß es erstens eine Menge stimmungsförderliche und qualitativ hochwertige Literatur zu den Topics gibt und zweitens hat man sich schon so sehr daran gewöhnt, daß die Verwendung von Fähigkeiten die man sowieso gewohnt ist in seinem Arsenal zu haben (sei es auch nur für das Setting innerhalb des Spiels) enorm vereinfacht sein müsste.

So komme ich zu meinen ersten Überlegungen, was wohl die Rahmenbedingungen für eine solche Konversion wären. Zunächst haben die beiden Spielwelten, auch wenn sie Schnittmengen haben, einige essenzielle Unterschiede. Vampire sind bekanntermaßen nicht tagsüber im Betrieb, Dämonen haben keinerlei Restriktionen diesbezüglich. Kräfte der Blutsauger kosten entweder nichts, Blut oder Willenskraft, Kräfte der Gefallenen hingegen entweder Willenskraft, Glaube oder aber Qual/Boshaftigkeit/Güte. Die Gemeinsamkeiten sind zum einen natürlich das nicht-mehr-ganz-Mensch-sein, zum anderen sind bestimmte Kräfte affin zu bestimmten Clans oder Häusern, andere wiederum sind quasi “common knowledge”.

Das heißt, bevor man eine Kraft einsetzt, muss man berücksichtigen aus welchem Segment sie stammt und was für einem Clan oder Haus sie zugeschrieben ist. Ich denke, man kann diese Berücksichtigung ein Stückweit umgehen, indem man mit einer Art Invokation light arbeitet und einen Charakter, eine Schablone oder eine Figur mit der entsprechenden Kraft in sich beschwört. Auf diesem Weg ist man nur bedingt an Einschränkungen durch das Regelwerk oder die Stereotypen gebunden, man sollte aber nicht vergessen daß sich die Clansnachteile oder Hausschwächen als Nebenwirkung solange diese Invo dauert, manifestieren könnten. Jemand, der einen Brujah in sich ruft, könnte gereizter werden als normal, jemand, der einen Defiler/Lammasu in sich beschwört könnte beginnen sich auf empfindliche Art und Weise in Kleinigkeiten zu verzetteln und so weiter.

Die Nahrung für die entsprechende Gestalt sollte zumindest im Ansatz vorhanden sein. Bei den Vampiren ist es logischerweise Blut (es gibt hervorragende Alternativen, mehr dazu später) und bei den Gefallenen ist es Glaube – in diesem speziellen Fall der Glaube an die Übernatürlichkeit eines selbst. Es gibt im Demon: The Fallen Regelwerk zwei Arten sich Faith Points zu beschaffen – zum einen das Paktieren, bei dem ein Sterblicher von einem Dämon etwas annimmt und ihm im Gegenzug seinen täglich wieder aufladenden Glaubenspool zur Verfügung stellt (er muss nicht davon wissen) und das andere ist das Ernten – dabei offenbart sich der Engel entweder in seiner Engelsgestalt oder in der scheußlichen Qualform und schöpft durch diese Begegnung (sehr unsubtil) den Glaubenspool seines Opfers direkt ab. Wenn man das ganze jetzt ein wenig paraphrasiert, könnte man das Paktieren umdichten und in eine Symbolhandlung verdrehen, so daß der Idee genüge getan würde. Es ist gleich, ob man Schokoriegel an Kinder verteilt oder jemandem einen Gefallen tut, ob darum gebeten oder nicht, solange man den Hintergedanken hat, diese Handlung vorbereitend zu vollbringen und aus der entsprechenden Perspektive zu betrachten. Bevor hier Mißverständnisse auftauchen, ich rede nicht davon, fremder Menschen Energien für seine Zauberei anzuzapfen, es geht gerade ums verfestigen des Paradigmas in einem, nicht um Energievampirismus oder ähnliches.

Haben wir unsere “Reserven” gemäß der Form aus der heraus wir aktiv werden möchten aufgeladen, können wir ohne große Vorbereitung die Kräfte wirken. Dabei gilt, je besser wir (oder unsere Personas) darin sind (bei Vampiren) und je mehr Faith-Pool wir haben (bei Gefallenen), desto erfolgreicher wird der anstehende Willensakt. Bei Vampiren geht es vorwiegend um Kräfte die einen selbst oder ein Gegenüber manipulieren, sei es in Parametern (Geschwindigkeit, Stärke, etc.) oder im Geiste (Beherrschung, Präsenz, Irrsinn, Auspex, Verdunklung, etc.) – bei den Dämonen sieht es da schon anders aus: Die Kräfte schrauben am Urgefüge der Welt, sie können freier eingesetzt werden, verschiedenste Ausprägungen entwickeln und je nach dem ob sie mit Qual unterfüttert sind (von Leid geprägt) oder rein davon, haben sie schädliche Nebeneffekte oder auch nicht.

So viel zur Idee selbst. Fortsetzung folgt, wenn ich damit ein wenig weiterexperimentiert habe.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Who do the hoo doo

Was Hoodoo genau ist und wie es funktioniert ist den meisten nicht geläufig, viele sehen darin eine vereinfachte Variante des Voodoo, was aber so nicht ganz richtig ist. Voodoo ist wesentlich näher an der Religionsschiene dran, weist ein Pantheon auf und bedient sich einer Mischung aus afrikanischen und indianischen schamanistischen Praktiken, Hoodoo hingegen ist wesentlich näher an dem was man Volkszauberei oder Hedge Magic nennen könnte. Die Werkzeuge und Prinzipien können sich ähneln, da sich beide Paradigmen an der natürlichen und unmittelbaren Umgebung des Praktizierenden orientieren, aber was das angeht ist Hoodoo wesentlich breiter in der Auswahl der Paraphernalia aufgestellt, so kann man ohne größere Hemmungen Streichhölzer, Paketschnur, zerriebene Kerzenstummel oder Schalen von Früchten verwenden – es geht mehr um das Tun als um die genauen Werkstoffe, im Voodoo ist es ritueller und spezifischer. So viel zur Abgrenzung.

Was an Hoodoo so faszinierend ist, ist die verblüffend einfache (mich fast schon an Kaoik erinnernde) Anwendungsart – die Sprüche sind normalerweise weder komplex, noch ritualisiert, gearbeitet wird meist mit kurzen Wiederholungen (oft wird frei formuliert) und in aller Regel mit nur wenig Vorbereitung (außer bei Herstellung von Mojos oder dergleichen). Das ganze hat vielleicht gerade wegen dieser einfachen Konzentration auf die Symbolik so einen heftigen Effekt und eine gewisse schlichte Theatralik, die das magische Arbeiten einem so einfach von der Hand gehen lässt in diesem Sektor.

Da ich sehr gerne mit praktischer Magie arbeite und mich mittlerweile nur schwer für das große und pompöse Tamtam eines hochkomplexen und etliche Ressourcen verbrauchenden Rituales begeistern kann wie es bei den Ägyptern zu mehreren und mit viel Kleidung, Maske und Gestik gehalten wurde, kommt mir das natürlich sehr recht. Zu meinen Lieblingszaubern gehören aus dem Bereich der Stickman und die Kreisschnur.

Für den Stickman braucht man eigentlich nur 3 längere Hölzer (zw 10 und 15 cm tuns für gewöhnlich) und einen Bindfaden. Der Stickman ist quasi eine Art Universalwerkzeug, man kann ihn abstellen eine Tür zu bewachen, auf jemanden aufzupassen, Orten und Personen Geheimnisse zu entlocken, Verwirrung zu stiften usw. Alles was man de facto tut ist, zwei der Hölzer oben nebeneinanderzubinden, daß sie einem leicht gespreizten Winkel aufweisen, das heißt eine Art Lambda. Dann nimmt man den dritten und legt ihn mittig drüber und bindet ihn auch fest, so daß ein kleines Männchen entsteht, wenn mans abstrakt sieht. Währenddessen wiederholt man seinen Namen und seine Aufgabe immer und immer wieder. Später kann man ihn noch etwas dekorieren wenn man möchte (Lederschnüre, kleine Zierperlen und Federn sind der Klassiker) und ihm was anziehen, etwas aus einfachem Stoff, vielleicht mit einem Gürtel, die Farbwahl bei der Garderobe sollte zum Zweck passen. Alles was man dann tun muss ist, ihn in die Nähe seines Einsatzpunktes zu bringen und dort aufzustellen, daß er alles im Überblick hat, schon kann er loslegen. Manche sammeln ihren Stickman später wieder ein, andere setzen ihn frei indem sie ihn verbrennen, wieder andere benutzen ihre öfter. Das ist wohl eine Frage des Geschmacks und der Erfahrungen damit.

Die Kreisschnur wird gern benutzt um einen Raum oder einen Gegenstand oder eine Person zu schützen (im letzteren Falle trägt die Person für das schwierige Ereignis jene um den Hals oder um die Hüfte, selter auch ums Handgelenk der linken Seite (für mich erschließt sich an dieser Stelle die Logik des Schildarmes vgl mit dem Schwert-/Wurfarm). In die Schnur sind besprochene Knoten geknüpft und sie ist an ihren Enden zusammengebunden, der Sinn ist, daß das Übel was auf einen einprasselt oder in einen eindringen will verpflichtet wird von Knoten zu Knoten zu wandern, und nicht an der Schnur vorbeikommt – eine analoge magische Endlosschleife quasi. Dieser Schutz kann eigentlich nur durch die physische Durchtrennung der Schnur aufgelöst werden, Zugriffe und Bypässe auf das Verteidigte haben sich bisher als schwierig erwiesen, ich denke das liegt daran, daß die Deklaration bei der Schaffung so allgemein ist. Nach dem Ablegen/Gebrauchen der Kreisschnur wird diese – egal ob Übel kam oder nicht – entsorgt. In aller Regel wird sie so wie sie ist dem Feuer überantwortet oder aber man vergräbt sie in der Nähe des Hauseingangs eines Widersachers, Neiders oder einer anderen Person der man Pech wünscht.

Aber ein Faktor kann gar nicht oft genug erwähnt werden, was die Arbeit mit Hoodoo angeht: Es macht irre Spaß, weil es so einfach und effektiv ist. Beizeiten kommen noch ein paar Techniken hier in die Auflistung.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Die Kommandozeile

Eines der wichtigsten Instrumente in der Kybermagie ist für jeden einigermaßen technisch orientierten Magier die sogenannte Konsole/Kommandozeile, z.Engl. Command Line. Es handelt sich dabei eigentlich um ein sog. CLI, ein Command Line Interface, in dem man Kommandozeilen – also Befehle – eingibt, die vom Computer verarbeitet werden. In unserem Fall ist der Computer kein Computer im Sinne einer großen Rechnermaschine, sondern nichts geringeres als die gesamte Schöpfung selbst. Den einen oder anderen mag es belustigt haben, daß Douglas Adams in Per Anhalter durch die Galaxis die Erde als einen bio- und kosmologischen Großrechner dargestellt hat, der die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest™ errechnen sollte. Für jeden, der sich mit Kybermagie befasst ist das über kurz oder lang gar nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt, um nicht zu sagen nahezu offensichtlich. Prozesse laufen unter bestimmten Gesetzmäßigkeiten ab, es finden kontinuierlich auf einander aufbauende Veränderungen statt und letzten Endes ist alles bis zu einem gewissen Grad quantifizier- und berechenbar in diesem Paradigma. Bis zu dem Grad wie wir es in der Kybermagie einsetzen können.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich selbige auch “kalte Magie” nenne, das hat nichts mit dem Element Eis oder den Temperaturen von Supraleitern zu tun, sondern mit der Abwesenheit von Gefühl. Diese Art von Magie ist völlig neutral, objektiv und unwertend, sie verändert Parameter, tauscht Variablen und ihre Inhalte aus, führt eingegebene Befehle und/oder Code aus ohne moralisch, menschlich, emotional oder sonstig eingefärbt zu sein. Das klingt zwar für jeden ansatzweise schamanisch arbeitenden oder in anderen stark emotional behafteten Paradigmen Ansässigen vermutlich abstoßend bis befremdlich, ist jedoch aufgrund seiner überragenden Geschwindigkeit, Effizienz und mangelnder Komplexität aus meinem Werkzeugkasten nicht mehr wegzudenken. Es ist nicht so, daß es besonders viel Spaß macht diese Art von Magie zu wirken, aber darum geht es an dieser Stelle nicht – abgesehen davon, daß alleine aufgrund des Tempos nicht davon gesprochen werden sollte, sich lange damit zu “befassen”. Man formuliert einen Befehl, eine Serie von Parametern oder ein Quasiprogramm, ab damit in die CLI und fertig. In dem Moment wo man gefühlt “Enter drückt” und das Eingegebene in die Verarbeitung genommen wird, ist die – um jetzt mal sigillenmagische Begriffe zu benutzen – Ladung vollzogen und die Bannung (das Zuklappen der CLI) kann beginnen. Alles, wenn man sichs angewöhnt hat, eine Frage von wenigen Augenblicken, beliebig oft wiederholbar, nahezu unsichtbar und energetisch nicht zu merken, da keine Energie für den Informationstransfer aufgewendet wird (Informationen haben keine Trägermasse, die zu bewegen Energie kosten würde, sie sind einfach).

Aber zurück zur Command Line. Ich stelle sie mir bildhaft folgendermaßen vor: Beim Aufruf fährt in meinem Sichtfeld ein schwarzer Kasten runter mit einem blinkenden weißen Balken (sehr retro, ich weiß). Dort kann ich dann einen Befehl eintippen oder ein bereits zuvor nach meinen eigenen Prinzipien programmiertes Script laden (es lohnt sich, die Befehlsketten oder -Komplexe, die man öfter nutzt in eigenen “Scripten” abzulegen, so hat man sie immer gebrauchsfertig parat, mein Favorit den ich schon seit längerem am Weiterentwickeln bin ist zB. bodyheal.sc – ein Script welches auf körperliche Heilung ausgelegt ist und die Selbstheilungskräfte des Organismus hochfährt, Sperren/Blockaden umgeht und kaputte Leitungen repariert). In der Kommandozeile steht dann einfach:

load bodyheal.sc -t[self]

Der Parameter -t steht für “target” und deklariert in unserem Beispiel mich selbst als Ziel. Das Skript selbst enthält eine Reihe von Funktionen, selbige enthalten dann eine Batterie von Befehlen und das ganze wurde von mir auch am Rechner selbst geschrieben (das ist in Sigillenmagischer Sprache ausgedrückt das “Zeichnen” der Sigille oder das anfertigen des Mantras, die Prinzipien sind die selben, ich lasse die Herrschaften vom Fach sich aber gern die Köppe einschlagen was das “ursprünglichere” von beiden sein sollte – mir ists gleich, hauptsache es funktioniert). Eine Funktion eines solchen Scripts kann aussehen wie folgt:

function regeneration($locator) {
CellReconstruct.target = $locator;
CellReconstruct.ressources = $CURRENT;
Immunity.PowerUp($locator, 140%);
BloodControl.LimitToTransport = true;
}

Die Funktion wird dann einfach aufgerufen mit regeneration(left_lower_arm_outside); und dann gehts los, die Zellenheilung beginnt auf die gegenwärtig vorhandenen Ressourcen zuzugreifen und das Immunsystem wird hochgeschraubt (eine der körperlichen Angriffsmöglichkeiten auf jemanden wäre es, sich bei ihm einzuloggen und seine Immunity runterzubrechen auf irgendwas um die 35%, damit versaut man sobald es wirkt – zu den Einschränkungen sag ich noch wann anders was zu – einem echt den Tag. Oder mehrere.) und zu Guterletzt wird der Blutfluss auf Sauerstoff- und Ressourcentransport beschränkt, so verhindert man zB ablagerungen von Blut in dem beschädigten Gewebe (dunkle Flecken in Narben, etc). Ich habe speziell dieses Beispiel gewählt, weil es etwas dem Körper vom Prozess her ohnehin recht Nahes ist und dennoch simpel verdeutlicht wie die Befehle konzipiert sind die man lostritt. Mir ist an dieser Stelle voll und ganz bewusst, daß ich die Rolle der Enzyme, des Vitaminhaushalts und des Qi komplett außenvorlasse, aber ich denke das ist für das Beispiel selbst erstmal nicht so wichtig.

Wenn es einen Befehl oder eine Funktion nicht gibt (es gibt vermutlich eine uns namentlich nicht bekannte Ansammlung derer, in unbegrenzter Anzahl) kann man einfach selbst eine schreiben. Ein bißchen Phantasie, aber noch nicht mal wirklich Grundlagen im Programmieren vorausgesetzt, kann man sich ganze Skripte vorbasteln, die nur darauf warten eingesetzt zu werden. Es ist sehr einfach, wenn man mit einem technischen Paradigma keine Berührungs- bzw Zugangsprobleme hat.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Invocation of the Walking Ghost

Nun gut, es ist nicht wirklich eine Invo. Oder doch? Vielleicht Erkenntnismedi? Oder nichts von alledem! Aber fangen wir mal von vorn an – es geht in dieser Arbeit um die sog. Walking Ghost Phase – der letzten Etappe der Strahlenkrankheit, kurz vor dem Sterben, in der sich der Körper scheinbar für einen letzten Moment nochmal erholt, die Schmerzen verglichen mit der vorherigen Phase fort sind und er sich wieder aufrappelt, bevor er endgültig in sich zusammenbricht. Der kommende Artikel befasst sich mit dem eigenen Tod, der Entfremdung von allem was uns umgibt und der Magie des Verfalls, theoretisch können bei viel zu gelungenen oder seltsam durchgeführten Varianten Schäden an Leib, Seele oder Geistesverfassung entstehen (für die der Autor natürlich keine Haftung übernimmt).

Eines sollte klar sein: Wer mit dieser Art von Zuständen arbeitet, sollte wissen was er tut und warum.


Als vorbereitende Lektüre hilft es, sich in die Stimmung des Niedergangs zu begeben. Bilder von zerstörten und/oder verlassenen Gebäuden und Siedlungen, im Idealfall Schwarz/Weiß sind sehr hilfreich, die passende Musik dazu sollte nicht zu bedrohlich gewählt werden, aber auch nicht zu harmlos – mir hilft für die Stimmung von Radium 226 – Nuclear Violation und das Lesen verschiedener Artikel über den Karatschai-See, den verstrahltesten Ort der Welt.

Kurz zu den Eck- und Schlüsselpunkten dieser Zustandsherbeirufung, um sich besser einzustimmen:

  • Der Tod steht unmittelbar bevor, droht aber nicht
  • Die Schmerzen die man hinter sich gebracht hat sind größer als die jetzigen
  • Das paradoxe Gefühl zwischen dem Wissen um das Ende und dem besser fühlen ist spürbar
  • Eine leichte Taubheit der Finger und der Hautsensorik lässt sich leicht und fremd fühlen
  • Der Körper hat im Kampf ums Überleben bereits Federn lassen müssen, oberflächliche Ästhetik wurde irrelevant

Zur Atmosphäre sollte man sich Neon-/Kaltbeleuchtung beschaffen, LEDs und schwaches, zT flackerndes elektrisches Licht sind aber auch völlig in Ordnung. Die Sitzhaltung, die sich für diese Herbeirufung am Effektivsten herausgestellt hat war in meinen Experimenten der Schneidersitz. Man sitzt weit nach vorne gelehnt, am besten mit dem Rücken zu den Lichtquellen, so daß man seinen eigenen Schatten vor sich an der Wand hat. Idealerweise hat man dort vor sich auch ein Möbelstück oder Griffe oder eine Stange an der man sich drübergebeugt festhalten kann. Vor einem steht eine kleine Schüssel mit Wasser oder noch besser eine Schnabeltasse und vorn neben sich ein Eimer. Während der Einstimmung und Vertiefung der Todestrance und der Visualisierung der Symptome und/oder Schlüsselpunkte (je nach dem wie vertraut man mit der Thematik ist, kann man erstere weglassen) sollte man sich in unregelmäßigen Abständen etwas Wasser aus der Schüssel oder der Schnabeltasse reichen. Man spült sich den Mund aus und spuckt es sobald es körperwarm ist in den Eimer. Der Geruch von Desinfektionsmittel, das Gefühl von Verbandszeug auf der Haut und ähnliches, können das Eintauchen in den Walking Ghost erleichtern.

Ist der Zustand erst einmal in sich hinein beschworen, lässt er sich nicht ohne weiteres abschütteln, da er sensorisch umfassender ist. Ich empfehle ausdrücklich an dieser Stelle das Bauen eines Lösungstriggers, Staubsaugers, whatever – daß ihr nicht mit dem Setting länger rumlaufen müsst als ihr es wünscht (verursacht starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Appetitmangel, Schlafprobleme und mehr). Durch seine Intensität baut dieser jedoch eine sehr eigentümliche Brücke zum Avatar des eigenen Todes auf, lässt die eigene Perspektive sehr einfach entrücken und lässt durch gewissermaßen “Gleichgültigkeit” (oder Schicksalsergebenheit) eine völlig andere Ebene der Anerkennung seiner eigenen Existenz zu.

Wer diesen Zustand hin und wieder in sich geladen hat, wird feststellen, daß die meisten Antworten auf die Fragen die man hat einem hier sehr schnell zu Teil werden. Um genau zu sein findet eigentlich eine ziemliche Überflutung statt, wenn man sich darauf ein Stückweit einlässt. Man sollte nur nicht vergessen diesen Zustand wieder loszuwerden, sonst schlummert er nur und kommt wieder. Sehr effizient ist die Vorstellung des eigenen Todes mit anschließendem Moment der Ruhe, nach einer Walking Ghost Meditation oder Invo. Nach dem Moment der Ruhe kann man dann wieder leichter ins Hier & Jetzt zurückkehren als durch die Bannung wieder raus. Böse Zungen behaupten, es wäre einfacher zu sterben und es zu beenden als gesund zu werden bei diesem Leiden – und vermutlich stimmt das, warum diese Tatsache also nicht nutzen?

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Immer einen Platz zum Parken

Ich habe eine richtig miese Parkplatzsituation an der Arbeit. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist voll mit Anwohner-Plätzen, Buchten mit Parkomaten, Parkhäusern und Halteverboten. In aller Regel ist es egal um welche Zeit man angetuckert kommt, ob acht oder halb eins, man hat ohne Weiteres oft eine halbe bis dreiviertel Stunde bis man einen Parkplatz in einigermaßen brauchbarer Nähe gefunden hat für den man kein Knöllchen bekommt. Das führte in der Vergangenheit immer wieder dazu, daß sich über den Monat verteilt 10 bis 15 Strafzettel angesammelt haben, von 15 bis 25 € jeweils. Das überstieg in nullkommanix die monatlichen Kosten für einen Stellplatz im Parkhaus – also musste Abhilfe her: Bis auf weiteres sollte es genügen die Strafzettelanzahl zu reduzieren, später im Winter sollte besagter Platz in Beschlag genommen werden, aber das ist jetzt erstmal nicht so wichtig.

Was also war zu tun? Ich hatte mehrere Möglichkeiten:

Ich könnte einen Zauber in das Auto einflechten, der ab einer gewissen Entfernung (Trigger) zum Ziel dafür löst, daß ein /oder mehrere Parkplätze frei werden.

Ich könnte auf die Straßen durch das Abschreiten und Einarbeiten dafür sorgen, daß die Straße für mich einen immer sicheren Platz parat hat.

Oder wir nehmen die einfachste, wenn auch übers Jahr verteilt aufwendigste Lösung: Den Freiräumer

Der Freiräumer baut auf der Sigillenmagie auf und funktioniert nach dem Fire & Forget Prinzip. Anstelle der Sigille wird aber eine etwas abstrahierte Situation visualisiert, die das was wir erreichen wollen beinhaltet. Als erstes blendet man sich vor dem geistigen Auge eine abstrakte Karte der Straßen und der Umgebung um das Ziel ein, dabei sind die bevorzugten Abschnitte wo man gut parken kann mit Autos zu versehen (das würde zum Beispiel als direkte Sigille dazu führen, daß man keinen Parkplatz bekommt, da wir aber das Bild nicht laden, sondern als Ausgangslage nehmen, ist das egal). Als nächstes blendet man sich eine Zeitleiste ein und lässt einige dieser Autos (am besten zwischen 3 und 5) aus eben jenen Positionen wegfahren, während die Zeitleiste läuft (für Zeitleisten konsultiert Ihr am besten das Video-Wiedergabe-Programm Eurer Wahl).

Das ist, wenn man so will, bereits der Willenssatz und Schlüssel. Der eigentliche Ladeprozess geht hier los: Man erweitert die Map um sein eigenes Fahrzeug (man sollte das ganze generell nicht weit von seinem Ziel machen, da man ansonsten riskiert die Parkplätze für andere freizuräumen) und visualisiert seine Ankunft vor Ort mit den mehreren freien Parkplätzen in der Umgebung. Die Zeitleiste sollte hier enden und wir “spulen zurück” zu dem Moment wo die Fahrzeuge begonnen haben sich zu entfernen und lassen es dann nochmal durchlaufen. Das kann man bei Bedarf einige Male wiederholen (für Sig-Cracks: bis sich dieses spezielle Gefühl einstellt was man vom “Ankommen” des Befehls aus der klassischen Sigillenmagie vom Ende der Todeshaltung her kennt).

Die Bannung selbst ist der einfachste Teil – wenn man das Laden abgeschlossen hat (es gibt auch Leute die das mit dem klassischen Ladebalken vom PC visualisieren) – es gibt ein 5 sek Fadeout wie bei einer selbstausblendenden Applikation oder einem Programm, was in den Sleep/Standby/Hintergrund-Modus schaltet.

Diese kleine Technik in verschiedenen Variationen half mir in letzter Zeit mit einer Trefferquote von etwas über 70%. Der Monat ist fast rum und ich hab gerade mal 2 Knöllchen gekriegt.

Technisch gesehen hat dieser Effekt folgende Vorteile: Durch das großflächige Abdecken von potenziellen Parkplätzen und die Freiräumung mehrerer gleich auf einmal ist die Wahrscheinlichkeit von Anfang an recht hoch, daß die erwünschte Situation eintritt – verglichen mit einem ganz bestimmten Parkplatz, am besten noch wo man zusehen kann wie jemand ihn einem vor der Nase wegschnappt. Dadurch, daß es sich eigentlich um eine steuerungsmagische Parametermanipulation handelt, ist der Energieaufwand, den man für die Wirkung dieses Zaubers betreiben muss nahe Null.

Wenn ich es über meine heißgeliebte kybermagische Konsole jagen würde, würde der Magickode so aussehen:

MyCar.ArrivalTime(Area) = 00:05:01
Area.spaces(clear) = X ^ Time(00:00:00)
Area.spaces(occupied).cars.drive(away) = 5 ^ Time(00:03:00)
Area.spaces(clear).cars.drive(incoming) < 3 ^ Time(00:05:00)

Selbst wenn kein Platz ist (X == 0) sind am Ende (00:05:01) noch mindestens 2 Plätze frei. Ich arbeite hier aber lieber mit Visualisation der Karte, weil es sehr nah an der Verkehrsthematik ist (dank Navis und Google Maps und so). Viel Spaß beim rumprobieren und lasst Euch nicht abschleppen (immer schön 2,40m zur Seite Platz lassen hilft)!

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Kurzüberblick Sigillenmagie

Viele Bücher beinhalten mittlerweile die Techniken und Methoden von A. O. Spare und darauf aufbauenden Nachfolgern. Das zugrundeliegende Modell ist recht schnell erklärt: Der menschliche Geist besteht aus einem Bewussten Teil und einem Unbewussten, die durch den sog. Zensor voneinander getrennt sind. Eben jener sorgt dafür, daß das was in der Tiefsee schwimmt auch genau da bleibt, aber auch das bewusste nicht einfach so in die Tiefen sinkt.

Jetzt ist die Sigillenmagie aber genau so eine Methode, die einen bewussten Befehl in die unbewusste Wirkungsebene katapultiert, damit er von dort aus seine Wirkung entfalten kann. Die Techniken sind vielseitig, am verbreitetesten sind aber die Bildmethode (Formen der eigentlichen Ladetechnik variieren) und die Mantra-/Wortmethode, aber meine Bisherigen Experimente mit essbaren Sigillen, welchen auf Hölzern zum durchbrechen oder aber sogar in einem Zeichenprogramm fürs Smartphone haben erstaunliche Ergebnisse erzielt.

Das Funktionsprinzip ist einfach:

1. Man formuliere positiv ein Ziel
Positiv ist an dieser Stelle wichtig, weil das Unbewusste ein “nein” oder ein “nicht” oder ein “kein” nicht versteht und es weglässt. (Auf eine ähnliche Weise zieht man unbewusst genau das an was man ganz und garnicht und fast schon bewusst nicht will, das ist ein Kehreffekt, in Fachkreisen “Nein.. nein.. nein.. ach verdammt!” genannt) Der Satz sollte so kurz und prägnant sein wie es nur irgend geht. Einfache Hauptsätze, Dinge auf den Punkt bringen, ohne viel Traraaa.

2. Den Willenssatz kürzen
Man streicht die doppelt vorkommenden Buchstaben bzw macht aus einem Satz den man nur noch in Silbenform am Stück ausspricht etwas leichter verdaulicheres. Sprich man kürzt die Silben runter auf etwas, was sich einfach aussprechen und merken lässt. Bei den Buchstaben der Bildmethode, kommt der Schritt dazu, sie ineinander zu verflechten und die Formen zu verfremden bis vom Ursprünglichen kaum noch was zu finden ist.

3. Die Sigille “laden”
Was manche dazu bewegt, sich in die Todeshaltung I und II zu begeben und in einem beinahe Totalstillstand der Sinne bis zur Unaushaltbarkeit zu verharren oder aber sich davon freizuzittern, lässt andere wiederum die Sigille in Erregungstrance angaffen oder sie bis zur geistigen Desinsibilisierung und eigenen Unverständlichkeit zu wiederholen.

Ich persönlich bevorzuge an dieser Stelle das kybermagische Skript, welches ich dafür entwickelt hab, ich kann Wiederholungen nämlich nicht ausstehen und daher ist mir die Wortmethode auch ferner als die anderen. Gehen tut natürlich alles, man muss eine Methode finden die einem am meisten liegt.

Schrittabfolge ist simpel: Man leitet die Trance ein – speist die Sigille ein – bannt. Zum Bannen wird empfohlen laut aufzulachen oder sich von dem gerade getanen komplett abzulenken, im Idealfall zu vergessen, was der Willenssatz aus Punkt 1 überhaupt gewesen ist und Dingen ihren Lauf lassen.

Das wars schon, das ist das grobe Funktionsprinzip!

Klingt einfach – und das ist es auch. Eine der effizientesten Techniken in der gesamten magischen Werkzeugkiste. Zugegeben, für die meisten zeremoniell arbeitenden Magier ist es zu simpel, zu unmystisch und banal, für die meisten Chaoiker allerdings gefundenes Fressen, weil es den Prozess nicht unnötig aufbläst, das Bewusstsein nicht mit irgend einem pseudoesoterischen Scheiß zumüllt und schnell, einfach und überall verfügbar ist.

Die verschiedenen Techniken und Methoden, Verfeinerungen und Variationen, Abwandlungen und Kreuzungen werden wir später behandeln – die meisten sind sich in ihrem Grundprinzip sehr ähnlich, aber fühlt Euch ruhig bemüßigt selbst zu experimentieren, das macht nicht nur Spaß, sondern bringt Euch auch ein gutes Stück weiter.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Kurzüberblick Runen

Runen sind mittlerweile eines der verbreitetesten magischen Werkzeuge. Das Wort selbst bedeutet so viel wie “Geheimnis”. Grafisch gesprochen handelt es sich um einfache Zeichen ohne Krümmung, die um die vorletzte Jahrtausendwende in Nordeuropa zu finden waren. Zu diesem Thema ist Wissen, Halbwissen, Scheinwissen und Falschwissen sehr verbreitet, insofern lohnt es sich hier ganz besonders die Quellen zu prüfen, vor allem im Kontext auf den Autor. Die Runen sind aber leider auch oft Vorurteilsbelastet, dank ihres Missbrauchs in der NS-Zeit und der rechten Szene, gewissermaßen der Vergewaltigung des gesamten nordischen Paradigmas die bis heute andauert. Trotz all dessen sind sie aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Einfachheit ein populäres Orakel und ein beliebter Grundstein für viele arkane Verzierungen und Techniken. Was vielleicht am wichtigsten sein dürfte – DIE Runen gibt es nicht. Es gibt Runen. Es gibt so viele verschiedene Schreibweisen und Zeichen, daß man ganze Bücher allein mit an historischen Stätten gefundenen Symbolen dieser Art füllen könnte, sie datieren unterschiedlich und sind regional mehr als abweichend.

Die populärsten zwei Systeme die Runen in der Gegenwart zu verwenden sind das “ältere Futhark” und das “jüngere Futhark”. Futhark bezeichnet dabei die Abfolge des “Runenalphabetes” am Anfang (Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz), sprich – diese Bezeichnung wäre das übersetzte Äquivalent des ABCs bzw Alphabets, was ja auch mit dem Anfang betitelt wird. Die Runen im Futhark selbst sind in mehrere Aettir unterteilt, Themengruppen wenn man so will, die einen Aspekt gemeinsam haben, im alten Futhark sind es jeweils 8 Runen pro Aett.

Schön und gut – aber was kann man damit Anfangen? Genaugenommen: Alles. Man kann Runen singen (oft der Runenhauptklang oder -name plus die Futhark-typische jeweilige Anreihung der Vokale u-a-i-e-o), man kann sie tanzen/stehen (dazu gibt es sog. Stadhas, Positionen wo man mit seinem ganzen Körper die Form der Rune einnimmt und ihr Prinzip in sich als Energie kanalisiert) oder sie werfen und – je nach Art des Orakelns – interpretieren. Man kann einzelne Runen aus der Menge picken, sie sich um den Hals hängen, sie in Sigillen einbetten oder gar ganze Texte damit verfremden, den Einsatzmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Wo sollte man beginnen, wie nähert man sich der Thematik und welches Futhark ist das richtige für einen selbst? Fragen über Fragen. Es gibt kein “richtigeres” und “ursprünglicheres” Futhark im Sinne von “besser”. Man sollte sich über beide informieren und beide probiert haben und sich dann für jenes entscheiden, daß einem innerlich am ehesten zusagt. Was mich persönlich betrifft, ich bin kein Freund des neuen Futhark, das alte ist mir wesentlich näher. Diejenigen, welche mir die Runen näher gebracht haben, arbeiteten mit dem alten – ich hab das neue mal nach der Methode “give it a try” auch durchaus solide getestet, aber letztlich war das nichts für mich.

Quellentechnisch empfehle ich an dieser Stelle Edred Thorsson (aka Dr. Stephen Flowers) immer ganz gerne, weil er mit seinem Handbuch (ISBN 978-3908644637) eine solide Zusammenfassung zu diesem Thema geschaffen hat.

Wichtig ist, daß man sich im Kopf behält, daß Runen oft für bestimmte Prinzipien stehen, die erst im Kontext sichtbar werden. Wer sich übrigens über dies hinaus mit dem alten nordischen Pantheon befassen möchte, findet eine Reihe von Anwendungshinweisen der Runen in der Edda, zugegeben, man muss an einigen Stellen ein wenig seinen Grips anstrengen um aus der Formulierung einen entsprechenden Einsatz der Runen deuten zu können und was da wohl gelaufen sein muss, aber alles in allem ist es nicht übertrieben kryptisch und vor allem sehr unterhaltsam. Das sind Geschichten, die sich alleine zwecks Allgemeinbildung schon zu lesen lohnt. Je näher man sich mit Runen beschäftigen will, desto dringender wird die Auseinandersetzung mit den Gottheiten des Nordens, sie stehen in direkter Verbindung mit den von den Runen vertretenen Prinzipien (mal mehr mal weniger stark) und bieten außer dem noch eine interessante Vielfalt an Eigenheiten.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
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Orden, Logen, Coven, Zirkel und Geodreiecke

Immer wieder ein interessanter Faktor ist, wie oft bei metaphysischen Themen das Mitdenken zuhause gelassen wird. Wenn ich jemandem diese drei Sätze sage:

1. Niemand ist so wichtig wie er tut.
2. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.
3. Alle kochen sie nur mit Wasser.

Dann ist im Alltag jedem die Weisheit dieser Worte offensichtlich, mal wird sie mehr mal weniger beherzigt, aber selbst in großen Corporations oder in einfachen sozialen Gruppengefügen wird man immer wieder auf einen oder mehrere Punkte zurückgreifen können, im Supermarkt, bei der Parkplatzsuche und in der Warteschlange aufm Amt.

In dem Moment aber, wo jemand seine (am besten langjährige) Mitgliedschaft in einer mystischen Vereinigung wie dem Fraternitas Ordo Occulto Oxidationi al Forno e.V. (Bruderschaft vom Orden der verborgenerweise ohne Konservierungsmittel gebackenen, e.V.) kundtut oder über jemanden schreibt, der in einer solchen Loge, Organisation oder Vereinigung irgend einen Posten, Rang, Grad oder eine Funktion bekleidet, schaltet das Hirn des bis eben noch grenzweise philosophisch veranlagten Gesprächspartners in den Verehrungs- und Sabbermodus. Dann braucht man nur noch die Freimaurer, Rosenkreuzer und diverse Three-Letter-Abbreviations mit möglichst hohem Gehalt von O und T aneinanderzureihen und schon fällt er in orgiastischen Zuckungen nach hinten mit dem Stuhl über und stöhnt unverständlich vor sich hin für die nächste Dreiviertelstunde.

Im Laufe der Zeit trifft man auf so manchen Autor, VIP der okkulten Szene und auch so manches (Ex-)Mitglied von einem dieser Mitgliedskärtchenvereine läuft einem über den Weg. Und wenn ein Eindruck sich über die Jahre gefestigt hat, dann der, daß es in diesen Strukturen eigentlich um nur drei Dinge geht: Hemmungslose Selbstbeweihräucherung, völlig überflüssige Selbstmystifizierung und Intrigen bzw. Schlammschlachten. Wer sich nicht für Zeitverschwendung, gegenseitige Eierschaukelei und Pseudo-Top-Secret-Gehabe hergeben will, lässt von sowas am besten die Finger. Sicher sind die historischen Zusammenhänge, sofern existent ein nettes Nice-to-know um auf Parties mit irgendwelchem nicht jedem zugänglichen (weil nicht für jeden interessanten) Wissen zu glänzen, aber letztlich kommt nicht viel dabei rum.

Mein ganz persönliches Fazit ist: Je mehr Geheimniskrämerei, Hierarchie und Verschlossenheit ein Verein betreibt, bevor er sein angebliches Wissen zu teilen bereit ist, desto weniger steckt im allgemeinen dahinter. Die meisten dieser Grad- und Rangträger leben davon, daß niemand weiß wie wenig sie wirklich können, egal wie viel sie wissen oder zu wissen vorgeben. Also quasi ein Machtfaktor in einem künstlichen sozialen Gefüge, welcher durch Unwissenheit der anderen gestützt wird. Das ist übrigens in der Kirche und im oberen Management ähnlich, und wer denen sein Heil anvertraut, wird sich schneller in einer Misere wiederfinden als er gucken kann.

Abgesehen davon natürlich, daß mehr Leute da draußen rumlaufen und behaupten sonstwie unterwiesen zu sein als jemals tatsächlich Leute unterwiesen wurden und selbst bei denen die es wurden merkt man allenfalls indoktriniertes Nachlabern – einen fruchtbaren Gedanken der Weiterentwicklung oder eigenes Können in solchen Köpfen zu suchen ist schon eine sehr aufwendige Aufgabe.

Ausnahmen gibt es immer. Woran ihr sie erkennt? Lasst Euch von einem Menschen inspirieren, dann wisst ihr wie viel ihr davon halten solltet, was er Euch vorsetzt.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
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Uralte mystische Rituale, die keine sind

Wenn man sich durch die Berge an Fachliteratur wälzt und als junger und recht unbedarfter Einsteiger nach einem Mittel der Wahl sucht, um Magie zu wirken (ich mag das Wort “zaubern” eigentlich nicht besonders, weil das für mich mehr kulinarisch ist als alles andere) stößt man auf verschiedene “Techniken”, die einem genau das ermöglichen sollen. Dabei wird von verschiedenen Autoren angepriesen welche besonders effektiv, welche besonders einsteigerfreundlich oder allgemeingültig sind.

Mit Abstand am häufigsten begegnet man etwas, was man ein “Ritual” nennt. Der in diesem Moment noch mit der Materie und mit der Wirkungsart unvertraute Magier nimmt diesen Begriff unvoreingenommen, aber leider auch oft undifferenziert wahr und jede Handlung die er ab der ersten Begegnung mit dieser Technik in einer Robe vor einem Altar oder mit dem Kelch, Stab und Dolch durchführt wird so betitelt. Nett, aber weitgehend leider unzutreffend.

Denn im eigentlichen gibt es zwei Hauptprobleme mit der inflationären Verwendung des Begriffes “Ritual” für all das was es da draußen gibt:

1) Ein Ritual wird durch zwei Faktoren definiert – das ist zum einen eine Wiederholung des selbigen, denn erst im Zuge dessen entfaltet es nach und nach seine Wirkung, immer stärker werdend. Je öfter man es durchführt, desto eher “geht es einem in Fleisch und Blut über”, sprich, desto weniger braucht man das Bewusste/Blockierte/Kopflastige um die tatsächliche Handlung durchzuführen, sprich Punkt 2 wird immer begünstigter. Und zum anderen ist ein Ritual eine symbolische Handlung.

2) Die Symbolkraft der im Ritual inne liegenden Handlung enthält, wenn man das so ausdrücken mag, einen Befehl, der am Zensor (das, was unser Bewusstsein vom Unbewussten trennt, wo die eigentliche “magische Energie” – sei sie jetzt Glaube, Wille oder Energie genannt – liegt) vorbei in die Tiefe des Selbst geschleust wird.

Das führt zu einigen unweigerlichen Schlüssen: Zum einen ist etwas, was man “nur ein Mal” oder “zum ersten Mal” durchführt ohne einen Wiederholungszyklus oder aber der Fähigkeit durch Retroaktivität, Imagination oder ähnlichem nur bedingt effektiv und solange es nicht wiederholt wird auch nicht zu den Ritualen zu zählen. Zum anderen ist eine in dem Ritual für die Handlung gewählte Symbolik, die nicht der eigenen Feder entstammt, sprich das Arbeiten nach Anleitung (wie pedantisch oder detailreich sie auch sein mag) immer weniger Effektiv als eine selbst konzipierte. Das heißt, die meisten Rituale, die aus dem Kontext der Kultur, der Bedürfnisse, der Geschichte und des Pantheons gerissen werden und stupide vor sich hin wiederholt werden, wären weit effektiver, wenn man sie auf sich maßgeschneidert, neu konzipiert und somit für sich verständlicher macht. Sicher gibt es Sprachformeln, die von der Phonetik beeindruckend sind und wenn man glaubt, daß Gottheiten die Originalsprache schätzen, wird es nicht verkehrt sein, sein Kemetisch oder Altgriechisch oder Alt-Isländisch oder Latein aufzumodeln, aber alles in allem ist das NAHE LIEGENDE der Baustein der Effizienz.

Magik ist eine extrem persönliche Angelegenheit, Wille und Glaube, Psyche, Sex und Weltanschauung sind nicht viel persönlicher als sie. Und so sollte man sie behandeln, meiner Meinung nach. Was natürlich NICHT bedeutet, daß man es bierernst mit Grabesstimmung und übertriebener Mystifikation oder Pedanterie und ohne Spaß und Humor tun sollte. Von den Leuten die das tun gibts auch so einige, und wenn ich mir dann überlege, daß sie die gleiche biedere und ernste Mimik im Bett oder bei einer spaßigen Debatte an den Tag legen wie wenn sie über irgend ein Buch erzählen, was sie jüngst zum Thema XY gelesen haben, muss ich unfreiwillig grinsen. Und ja, die sich selbst zu ernst nehmenden Herrschaften regen sich dann natürlich auf, weil sie denken ich würde ihnen nur Mist zutrauen und sie milde belächeln.

“Wenn Du etwas so ernst nimmst, daß Du damit keinen Spaß verstehst, machst Du es vermutlich ohnehin schon verkehrt.”
- Jan Fries

Es gibt wirklich viele Verfechter der sog. Ritualmagie, die sich mit primär dieser Art von Magie befassen – viele, die auch wirklich darauf schwören und alles andere als neumodischen Mist und hirngespinstige Theorien abtun. Aber genau das sind die Leute zu denen man vermeiden sollte zu gehören, weil der Forschergeist, die Selbstentwicklung über die Ego-Beweihräucherung hinaus und all die anderen positiven magischen Nebenwirkungen etwas sind, was man damit ausschlagen würde. Letzten Endes mag es sein, daß diese Herrschaften sich sonstwelche Quellen erarbeitet, sie studiert und nachgestaltet haben, kann auch sein, daß sie enorm viel Wissen um ihre Gebiete mit sich herumschleppen, aber in einem Punkt ähneln sie sich oft: Sie bleiben mit ihrer Entwicklung stehen und verbeißen sich in etwas, was eigentlich nur die Spitze des Eisbergs (oder der Mechanismen und Möglichkeiten) ist und nennen das dann Magie. Und das wird ihr nicht gerecht in meinen Augen. Keinesfalls. Ist natürlich Geschmackssache – aber empfehlen dabei stehnzubleiben kann ich keinem.

Vielleicht klingt dieser Beitrag so, als wollte ich mit dem Mythos des “mächtigen Ritualmagiers” aufräumen, mich über uraltes “Wissen” und überlieferte “Gesetzmäßigkeiten” lustig machen oder mit irgendwem abrechnen. Wenn das im Zuge dessen passiert, habe ich keine Einwände, da ich aber selbst dann und wann Rituale benutzt habe (sie aber mittlerweile zugunsten effektiverer und interessanterer Techniken völlig vernachlässige) ist das nicht die eigentliche Absicht gewesen. Viel mehr, daß man nicht jedem Anfänger eine magische Handlung die ritualisierbar ist als ein Ritual verkaufen sollte und da mal ein wenig Nomenklatur reinkommt, die dem ganzen eher entspricht.

Eine magische Technik unterscheidet vom (klassischen überlieferten) Ritual primär die Unabhängigkeit von Wiederholung, sowie die bessere Anpassung an den Ausführenden.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
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